Self-Sovereign Identity (SSI)

Digitale Identität ohne zentrale Kontrollinstanz

 

Während Plattformen und Cloud-Lösungen den digitalen Alltag dominieren, entsteht im Hintergrund ein besonders spezialisiertes Thema: Self-Sovereign Identity. Dahinter steckt die Idee, dass Personen und Unternehmen ihre digitale Identität selbst verwalten – ohne permanente Abhängigkeit von zentralen Plattformbetreibern.

 

Warum ist das so relevant – und dennoch kaum im Mainstream angekommen?

Heute werden Identitäten meist von großen Anbietern gespeichert und kontrolliert. Logins, Verifizierungen und persönliche Daten liegen auf Servern Dritter. Self-Sovereign Identity kehrt dieses Prinzip um. Identitätsnachweise werden dezentral gespeichert, häufig in digitalen Wallets, und nur bei Bedarf selektiv freigegeben. Das bedeutet: weniger Datensilos, mehr Kontrolle für die Nutzer selbst. Technisch basiert SSI auf kryptografischen Verfahren und sogenannten verifizierbaren Nachweisen. Unternehmen oder Behörden stellen digitale Zertifikate aus, die fälschungssicher signiert sind. Die Inhaber können diese Nachweise bei Bedarf vorzeigen, ohne sämtliche zugrunde liegenden Daten offenzulegen. So lässt sich beispielsweise eine Altersverifikation durchführen, ohne das vollständige Geburtsdatum preiszugeben.

 

Wie könnte sich das in der Praxis auswirken?

Für Unternehmen eröffnet SSI neue Möglichkeiten im Onboarding-Prozess. Identitätsprüfungen könnten schneller, sicherer und medienbruchfrei erfolgen. Gleichzeitig sinkt das Risiko zentraler Datenlecks, da sensible Informationen nicht dauerhaft auf Unternehmensservern gespeichert werden müssen. Auch im B2B-Bereich gewinnt das Thema an Bedeutung. Maschinen, Software-Systeme oder IoT-Geräte könnten eigenständige digitale Identitäten besitzen und sich gegenseitig authentifizieren. Das erhöht Sicherheit in vernetzten Infrastrukturen erheblich. Obwohl Self-Sovereign Identity derzeit noch in Pilotprojekten und spezialisierten Ökosystemen eingesetzt wird, besitzt das Konzept das Potenzial, digitale Vertrauensstrukturen grundlegend zu verändern. Es verschiebt Machtverhältnisse, stärkt Datenschutz und könnte langfristig ein neues Fundament für sichere digitale Interaktionen bilden.